Gesundheit

Die Alexander-Technik in der Gesundheitsförderung

Foto: Mann auf Tisch, Lehrerin untertützt ihn am KopfDie Alexander-Technik ist ein Weg, um Bewegungs-, Denk-, Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster nachhaltig zu verändern. Schüler der Alexander-Technik erlernen, ausgehend von der bewussten Selbstbeobachtung, wie sie sich körpergerecht und koordiniert bewegen, wie sie ihre Kräfte ökonomisch einsetzen und gelassen auf die unterschiedlichsten Vorkommnisse reagieren können. Sie lernen, wie sie dabei ihren Atem frei fließen lassen und sich für ihre Handlungen bewusst entscheiden können. Im Zuge dieses Lernens verbessert sich die Fähigkeit zur Eigenwahrnehmung ebenso wie das innere Bild des eigenen Körpers.

Das Erlernen einer Geist und Körper integrierenden Koordination, sei es in Tätigkeit oder in Ruhe, ist ein grundlegendes Prinzip der selbstverantwortlichen Gesundheitsförderung und Selbstfürsorge. Wohlkoordiniertes Bewegen und Handeln, wie es in der Alexander-Technik erlernt wird, fördert nicht nur die natürliche Aufrichtung im Stehen, Gehen oder Sitzen; es harmonisiert gleichzeitig den gesamten Muskeltonus und passt ihn der jeweiligen Tätigkeit an, schont die Gelenke, fördert Kreislauf und Atmung, Verdauung und andere Aspekte der vegetativen Körperfunktionen. Gleichzeitig erfahren die Lernenden psychisches Wohlbefinden, emotionale Ausgeglichenheit und mentale Klarheit.

Zusammenhang von Körperkoordination und Gesundheit

Foto: Schülerin wird von Lehrerin bei Yoga-Übung unterstütztUnsere Körperkoordination und -aufrichtung hat einen vielleicht größeren Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden als wir denken. Wenn wir in uns eingesunken, überstreckt, verspannt oder in anderer Weise aus dem Gleichgewicht durch den Tag gehen, dann leiden auch unsere inneren Organe, die Herz-Kreislauf-Funktion, der Atem, die Verdauung oder die Sprechfähigkeit. Und natürlich können im Laufe der Zeit die unterschiedlichsten Beschwerden und Einschränkungen in unserem Bewegungssystem entstehen. Schließlich geht eine beeinträchtigte Körperkoordination und Balance zumeist auch einher mit innerer Unausgeglichenheit, Unruhe, Ungeduld und Gereiztheit.

Daher tun wir uns viel Gutes, wenn wir uns der Art und Weise bewusst zuwenden, wie wir unseren Körper koordinieren, uns bewegen und wie wir reagieren. In der Alexander-Technik lernen wir, wie wir uns mühelos in den unterschiedlichsten Lebenssituationen aufrichten und die freie Beweglichkeit und Koordination unserer Gelenke finden können. Wir lernen, unseren inneren Organen den Raum und die Ruhe zu geben, die sie für eine ungestörte Ausführung ihrer Aufgaben benötigen.

Ein freier Atem als Quelle von Vitalität

In einem Baby fließt der Atem als eine Bewegung des ganzen Körpers. Diesen freien Atem verlieren wir oft im Laufe des Lebens aufgrund von unbewussten Einschränkungen und Behinderungen des Atemvorgangs. Solche Störungen des Atemvorgangs gehen immer mit einem Verlust an Vitalität einher und sie behindern uns auch, wenn wir sprechen, singen, pfeifen oder ein Blasinstrument spielen. Ein freier und natürlicher Atem ist jedoch eine Gabe, die uns mitgegeben ist. Wir können sie immer wieder entdecken und freilegen. Dies geschieht nicht dadurch, dass wir unseren Atem in einer ganz bestimmten Art und Weise regulieren und entsprechend einüben. Es geschieht vielmehr dadurch, dass wir zu einer natürlichen Körperkoordination finden und dabei ungünstige Atemgewohnheiten ablegen. Das Wiederfinden eines freien, natürlichen Atems ist also vielmehr ein Prozess der Freilegung als ein Tun oder Eingreifen. Im Alexander-Unterricht lernen wir, unser Denken und unseren Körper auf eine Art und Weise zu gebrauchen, dass sich auch unser Atem wieder entfalten kann.

Alexander-Technik in der Prävention ...

Die Alexander-Technik eignet sich zur Prävention von zahlreichen Körperstörungen und Erkrankungen, die durch ungünstigen Gebrauch des Bewegungssystems und durch chronische Stressreaktionen hervorgerufen werden. Zu nennen sind hier u.a. Rücken-, Schulter- und Nackenbeschwerden, Tennisellenbogen oder Mausarm, Gelenk- und Spannungsschmerzen, chronische Unruhe und Erschöpfung.

... und in der Therapie

Wissenschaftliche Forschungen haben gezeigt, dass das Erlernen der Alexander-Technik auch im therapeutischen Bereich hilfreich sein kann. So wurde z.B. 2008 im British Medical Journal eine Studie mit 579 Probanden veröffentlicht, in der gezeigt wurde, dass das Erlernen der Alexander-Technik bei chronischen Rückenschmerzen zu einer signifikanten Verbesserung führte, die auch noch ein Jahr später weiter anhielt. Mehr hierzu unter Wissenschaft.

Die Alexander-Technik hat sich auch als sehr hilfreich erwiesen beim Umgang mit den Folgen von Erkrankungen wie Parkinson (siehe Wissenschaft) oder Multiple Sklerose. Im Umgang mit Unfallfolgen, angeborenen Abweichungen des Skeletts oder anderen Behinderungen kann die Alexander-Technik helfen, Schonhaltungen und Fehlhaltungen zu erkennen, welche die Bewegungseinschränkungen eher verstärken als vermindern. Alexander-Technik kann außerdem dazu beitragen, einen geeigneten Umgang mit dem Körper im Rahmen der Grunderkrankung zu entwickeln. Zwar kann diese durch die Alexander-Technik meist nicht beseitigt werden, doch können sich Beweglichkeit und Allgemeinbefinden verbessern, was sich wiederum positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken kann.

Die Alexander-Technik hat sich auch als ergänzendes (komplementäres) Verfahren im Kontext von psychotherapeutischen Behandlungen bewährt. Hierbei spielt die körperliche Selbsterfahrung, die Schulung der Aufmerksamkeit und Eigenwahrnehmung, die aktive Auseinandersetzung mit dem Selbstkonzept und dem eigenen Körperbild und das bewusste Reagieren eine besonders positive Rolle.

Hinweis

Beim Erlernen der Alexander-Technik in einem medizinischen bzw. therapeutischen Kontext ist zu beachten, dass die Alexander-Technik die Betreuung durch einen Arzt, einen Heilpraktiker oder einen Psychotherapeuten nicht ersetzt. Vielmehr ist sie ein komplementäres Element der Therapie.