Klinische Studien

Studie zur Wirksamkeit von Alexander-Technik Unterricht und Akupunktur bei Patienten mit Chronischen Nackenschmerzen.
Hugh MacPherson, Helen Tilbrook, Stewart Richmond, Julia Woodman, Kathleen Ballard, et al.
Veröffentlicht: 2015, Annals of Internal Medicine (Vol. 163, Nr 9, S. 653–662)

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Originaltitel: Alexander Technique Lessons or Acupuncture Sessions for Persons with Chronic Neck Pain: A Randomized Trial. (ATLAS)

Schlüsselpunkte

1. Hauptergebnisse

Menschen mit chronischen Nackenschmerzen, die Einzelstunden in der Alexander-Technik nehmen, erzielen einen signifikanten und lang anhaltenden Nutzen mit klinisch relevanter und statistisch signifikanter Reduzierung von Nackenschmerzen und weiteren damit verbundenen Behinderungen/Einschränkungen, die auch noch 1 Jahr nach dem die Stunden begannen andauert.1

2. Stichprobe

517 Patienten mit chronischen Nackenschmerzen seit mindestens 6 Jahren, zufällig verteilt auf 3 zu untersuchende Gruppen

Gruppe 1:
172 Teilnehmer erhielten 20 Stunden in Alexander-Technik plus herkömmliche Behandlungsmethode durch einen Arzt

Gruppe 2:
173 Teilnehmer erhielten 12 Sitzungen in Akupunktur plus herkömmliche Behandlungsmethode durch einen Arzt

Gruppe 3:
172 Teilnehmer erhielten herkömmliche Behandlung durch einen Arzt

3. Die ATLAS Studie und ihre Teilnehmer

  • ATLAS (Alexander Technique Lessons or Acupuncture Sessions for people with chronic neck pain) war ein umfangreicher, sehr gut gestalteter und ausgeführter, randomisierter und kontrollierter Versuch, der 517 Patienten mit chronischen Nackenschmerzen betraf
  • Menschen mit chronischen, nicht spezifischen Nackenschmerzen wurden für den Versuch ausgewählt. Chronische Nackenschmerzen sind Nackenschmerzen, die mindestens seit 3 Monaten auftreten; nicht spezifische Nackenschmerzen ist der gebräuchlichste Typus und wird nicht durch ein medizinisches Krankheitsbild verursacht.2
  • die Teilnehmer hatten zu Beginn der Studie seit mindestens seit 6 Jahren Nackenschmerzen.1
  • Die Teilnehmer wurden, zufällig ausgewählt einer von drei Gruppen zugeteilt, denen jeweils angeboten wurden:
    • 20 Einzelstunden à 30 Minuten in Alexander-Technik zusammen mit der herkömmlichen Behandlungsmethode durch einen Arzt
    • 12 Akupunktursitzungen à 50 Minuten zusammen mit der herkömmlichen Behandlungsmethode durch einen Arzt
    • ausschließlich herkömmliche Behandlungsmethode durch einen Arzt
  • die Studie war so angelegt, dass der Unterricht in Alexander-Technik der in Großbritannien üblichen Unterrichtsweise entsprach. Alle Lehrer, die an der Studie teilnahmen, sind Mitglied bei der englischen Gesellschaft für Alexander-Technik STAT (Society of Teachers of the Alexander Technique), mit mindestens dreijähriger Berufserfahrung. Es handelte sich um Einzelunterricht. (gleiche Gegebenheiten galten für die Akupunktur)5
  • die Studie vergleicht nicht Alexander-Technik mit Akupunktur. Es wurde die Effizienz der Alexander-Technik bzw. Akupunktur im Vergleich zu herkömmlichen Behandlungsmethoden durch einen Arzt untersucht.5
  • durchgeführt wurde die Untersuchung von einem Forschungsteam, das an der University of York angesiedelt war. Finanziert wurde die Studie durch Arthritis Research UK.
  • Leiter der Studie war Dr. Hugh MacPherson (Department of Health Sciences, University of York). Andere Teammitglieder waren u.a. Dr. Julia Woodman und Dr. Kathleen Ballard von STAT Research Group, die Beide an der Gestaltung der Studie, Management der Durchführung und Auswertung der Studie beteiligt waren.
  • der Unterricht in Alexander-Technik und die Akupunktursitzungen fanden in den Unterrichtsräumen der jeweiligen Lehrer/Praktiker in den Städten York, Leeds, Sheffield and Manchester statt.

4. Studienergebnisse

  • die Teilnehmer, die Alexander-Technik-Unterricht oder Akupunktursitzungen wahrnahmen, erzielten einen lang anhaltenden Nutzen in der Reduzierung ihrer Nackenschmerzen und den damit verbundenen Einschränkungen und Behinderungen. Lang anhaltend genug, um als klinisch relevant bewertet zu werden.1
  • die lang anhaltende (1 Jahr) Reduzierung der Nackenschmerzen mit den damit verbundenen Einschränkungen waren statistisch signifikant größer als die der Gruppe der herkömmlich behandelten Teilnehmer.
  • Der Nutzen hielt bis zum Ende der Studie nach 12 Monaten an; circa 7 Monate nach dem Ende des Alexander-Technik-Unterrichts bzw. der Akupunktursitzungen und einem Jahr nach Beginn des Unterrichts bzw. Sitzungen.1
  • dieser Nutzen wurde trotz der langjährig bestehenden Nackenschmerzen (mehr als 6 Jahre) beobachtet.1
  • eine andere Messung beruht auf SMS Nachrichten, die die Teilnehmer -anfangs 14tägig später monatlich- schickten. Das Ergebnis zeigt ebenfalls signifikant die lang anhaltende Wirkung der Reduzierung der Nackenschmerzen, als Folge des Unterrichts in Alexander-Technik bzw. Akupunktursitzungen, die bis zum Ende der Studie nach 12 Monaten erhalten blieb.1
  • im Schnitt nahmen die Teilnehmer 14 von 20 angebotenen Stunden in Alexander-Technik wahr. Die Teilnehmer, die 15 oder mehr Unterrichtsstunden wahrnahmen, hatten einen höheren Nutzen zur Reduzierung der Nackenschmerzen und damit verbundenen Einschränkungen.1
  • im Gesamtergebnis zeigen sich ähnliche Ergebnisse bei den Teilnehmern, die Alexander-Technik-Unterricht oder Akupunktursitzungen wahrnahmen. Zu Beginn zeigte die Gruppe der Akupunktur eine schnellere Reduzierung. Das steht wahrscheinlich im Zusammenhang damit, dass die Akupunktursitzungen länger und eine geringere Anzahl hatten als die Alexander-Technik-Unterrichtsstunden und somit im Studienverlauf früher beendet waren.1
  • die Selbstwirksamkeit – die Fähigkeit und das Vertrauen Schmerz zu handhaben und zu reduzieren und die Fähigkeit der Vorbeugung, dass der Schmerz in das Alltagsleben hinderlich eingreift, verbesserte sich durch die Alexander-Technik-Unterricht (und auch nach den Akupunktursitzungen).1
  • die Verbesserung der Selbstwirksamkeit, die aus dem Alexander-Technik-Unterricht (oder den Akupunktursitzungen) folgte, wurde von einer größeren Reduzierung der Nackenschmerzen und der daraus folgenden Behinderungen begleitet.1
  • zusätzliche Ergebnisse werden in zu folgenden Studienpapieren veröffentlicht werden. Diese umfassen die Wahrnehmung und die Selbsterfahrung der Teilnehmer, detaillierte Beschreibungen der Alexander-Technik-Stunden und deren Ergebnisse und die Kosten-Nutzen-Wirksamkeit der Maßnahme.

5. Zusammenfassung

  • Das Angebot an Menschen mit chronischen Nackenschmerzen, von 20 Einzelsunden in Alexander-Technik (600 Minuten total) oder 12 Akupunktursitzungen (600 Minuten total), kann zu einer lang anhaltenden Verbesserung ihrer Schmerzen und den damit einhergehenden Behinderungen und Einschränkungen zur Folge haben.1
  • die beobachtete Verbesserung der Selbstwirksamkeit, die durch den Unterricht in Alexander-Technik erworben wird, illustriert die Selbstfürsorge und den präventiven Charakter dieser Methode und erklärt, weshalb der Nutzen erhalten bleibt und bis zum Ende der Studie andauernd, mehr als 6 Monate nachdem der Unterricht beendet war.1
  • Alexander-Technik und Akupunktur sind beide gute Optionen, die Menschen mit chronischen Nackenschmerzen angeboten werden können. Die Wahl der Methode erfolgt individuell.1

6. Referenzen

1. MacPherson H, Tilbrook H, Richmond S, Woodman J, Ballard K, Atkin K, Bland M, Eldred J, Essex H, Hewitt C, Hopton A, Keding A, Lansdown H, Parrott S, Torgerson D, Wenham A, Watt I. Alexander Technique lessons or acupuncture sessions for persons with chronic neck pain: A randomized trial. Annals of Internal Medicine 2015;163.

2. MacPherson H, Tilbrook HE, Richmond SJ, Atkin K, Ballard K, Bland M, Eldred J, Essex HN, Hopton A, Lansdown H, Muhammad U, Parrott S, Torgerson D, Wenham A, Woodman J, Watt I. Alexander Technique Lessons, Acupuncture Sessions or usual care for patients with chronic neck pain (ATLAS): study protocol for a randomised controlled trial. Trials 2013 Jul 10;14:209.

 

Studie zur Wirksamkeit von Alexander-Technik Unterricht (AT), klassischer Massage und leichter sportlicher Bewegung bei Patienten mit chronischen bzw. rezidivierenden Rückenschmerzen
Prof. Paul Little et al, Primary Medical Care Group, Community Clinical Sciences Division, University of Southampton
Veröffentlicht: 2008, British Medical Journal (externer Link). (BMJ 2008;337;a884 doi:10.1136/bmj.a884)

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Originaltitel: Randomised controlled trial of Alexander technique lessons, exercise, and massage (ATEAM) for chronic and recurrent back pain

Zusammenfassung

Methode: Von Juli 2002 bis Juli 2004 wurde aus 64 allgemeinmedizinischen Praxen im Südwesten Englands eine Gruppe aus 579 Patienten mit chronischen bzw. rezidivierenden lumbalen Rückenschmerzen zusammengestellt. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip vier Gruppen zugeteilt:

  • Kontrollgruppe - übliche allgemeinmedizinische Behandlung (144 TN)
  • sechs (6) klassische Massage-Einheiten (147 TN)
  • sechs (6) Alexander-Technik-Stunden (144 TN)
  • vierundzwanzig (24) Alexander-Technik Stunden (144 TN)

Je die Hälfte dieser vier Gruppen erhielt zusätzlich eine ärztliche Verordnung zu einem individuellen Bewegungsprogramm mit drei Beratungssitzungen bei einer medizinischen Fachkraft. Somit entstanden acht unterschiedliche Untersuchungsgruppen.

Die Wirkung der untersuchten Methoden wurde primär anhand von zwei Größen verglichen:

  1. einem Fragebogen, bestehend aus 28 Fragen zur Erfassung von Tätigkeitseinschränkungen aufgrund der Rückenschmerzen (Roland-Morris Disability Questionnaire) und
  2. der Ermittlung der Anzahl der Schmerztage innerhalb der letzten vier Wochen vor der jeweiligen Befragung.

Messungen wurden unmittelbar vor der ersten Behandlung, drei Monate und ein Jahr nach Beginn der Versuchsreihe durchgeführt.

Ergebnisse nach einem Jahr:

Keine signifikanten Veränderungen innerhalb der Kontrollgruppe.

24 Unterrichtsstunden Alexander-Technik erzielten die größte positive Wirkung: Nur noch 3 Schmerztage pro Monat (eine Verringerung um 86%) gegenüber 23 Schmerztagen in der Kontrollgruppe sowie eine Verminderung der Tätigkeitseinschränkungen um 42%. Das Bewegungsprogramm kombiniert mit 24 Stunden Alexander-Technik brachte keine Verbesserung der Ergebnisse im Vergleich mit 24 Stunden Alexander-Technik ohne weitere Maßnahmen.

6 Unterrichtsstunden Alexander-Technik kombiniert mit dem Bewegungsprogramm erzielten 72% der positiven Wirkung, die mit 24 Stunden Alexander-Technik erreicht wurde.

6 Massage-Einheiten kombiniert mit dem Bewegungsprogramm erzielten eine Reduzierung der Schmerztage um 33%. Eine Verbesserung bei den Tätigkeitseinschränkungen zeigte sich nur bei der Messung nach drei Monaten, nicht jedoch als Langzeiteffekt bei der Messung nach einem Jahr.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Unterricht in der Alexander-Methode einen nachhaltigen positiven Effekt aufzeigt, indem er die Schmerztage pro Monat signifikant verringert und die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten erhöht.

„Dies ist ein bedeutender Schritt vorwärts in der Langzeitbehandlung von Rückenschmerzen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Alexander-Technik Rückenschmerzen lindern kann. Dem Anschein nach geschieht dies durch eine Verringerung der Muskelspannung, Stärkung der Aufrichtemuskulatur, verbesserte Koordination und Beweglichkeit sowie Druckentlastung der Bandscheiben. Für die Patienten bedeutet es, dass sie in ihren Aktivitäten oder Aufgaben weniger durch Schmerzen eingeschränkt sind."

Prof. Paul Little, Universität Southhampton
Leiter des Forscherteams

Studie zum Nachweis der Wirksamkeit der Alexander-Technik bei Patienten mit parkinsonscher Erkrankung
C. Stallibrass, School of Integrated Medicine, University of Westminster / P. Sissons, Peta Sissons Consultancy / C. Chalmers, Department of Statistics, London School of Economics
Veröffentlicht: 2002, Clinical Rehabilitation (externer Link) (16 705-718)
> vollständige englischsprachige Studie auf der Website von Chloe Stalibrass

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Originaltitel: Randomized controlled trial of the Alexander Technique for idiopathic Parkinson's disease

Zusammenfassung

Hypothese:

  1. Alexander-Unterricht neben pharmakologischer Therapie nützt Personen mit der parkinsonschen Krankheit
  2. dauerhafte Verbesserung ist auf gelernte AT-Fertigkeiten zurückzuführen, weniger auf den Effekt von Berührung und Handkontakt.

Methode:

93 Personen wurden nach dem Zufallsprinzip in 3 Gruppen aufgeteilt, vergleichbar nach Alter, Geschlecht, Dauer und Schwere der Krankheit

  • Gruppe 1: normale Behandlung
  • Gruppe 2: normale Behandlung plus 24 Unterrichtsstunden in Alexander-Technik (AT)
  • Gruppe 3: normale Behandlung plus 24 therapeutische Massagen (TM)

Eine Einschätzung der Fähigkeiten wurde unmittelbar vor der ersten Behandlung, 3 Monate nach Beendigung der Anwendungen, und 3 Monate später, insgesamt 6 Monate nach Therapiebeginn vorgenommen.

Fragebogen:

 ATTM
verbessertes Gleichgewicht/Haltung 59 % 7 %
verbessertes Gehen 48 % 3 %
verbessertes Sprechen 38 % 3 %
mehr Energie/weniger müde 31 % 7 %
verminderter Tremor 28 % 7 %

Resultate: 2. subjektiv empfundene Ergebnisse

  • bei der Nachuntersuchung waren die Probanden der AT-Gruppe verhältnismäßig weniger depressiv als die Probanden der normal behandelten Gruppe
  • nach 6 Monaten war die verhältnismäßige Verbesserung weniger markant

Einschätzung durch Eigenskala:

  • bei der Nachuntersuchung wurde die absolute Verbesserung in der AT-Gruppe auf 5.1 Punkte eingeschätzt, verglichen mit 1.6 für die Gruppe mit normaler Behandlung
  • nach 6 Monaten waren die Verbesserungen der AT-Gruppe verhältnismäßig größer

Fragebogen (Nachuntersuchung):

 ATTM
positiver/hoffnungsvoller 41 % 14 %
weniger Stress und Panik 35 % 7 %
verbessertes Selbstbewusstsein  28 % 0 %

Parkinson Medikation + Symptome:

  • im Vergleich zu den AT-Probanden musste ein größerer Teil der nicht AT-Probanden die Medikation anpassen, um ihre Symptome zu verbessern
  • bei Personen, die die Medikation während der 6 Monate nicht angepasst hatten, verschlechterten sich die Symptome mehr als bei jenen, die der AT-Gruppe angehörten

Klinische Schlussfolgerungen:
Unterricht in Alexander-Technik ist von anhaltendem Nutzen für Menschen mit Parkinsonscher Erkrankung, dieser Nutzen entsteht vor allem dadurch, dass die mittels der AT erlernten Fähigkeiten im täglichen Leben angewandt werden können.

C. Stallibrass, School of Integrated Medicine, University of Westminster
P. Sissons, Peta Sissons Consultancy
C. Chalmers, Department of Statistics, London School of Economics