Alltag und persönliche Entwicklung

Sitzen, Stehen, Gehen, Liegen ...

Foto: Frau geht eine Treppe herunter, unterstütz von LehrerinDen größten Teil eines normalen Tages verbringen wir im Sitzen, Stehen, Gehen und Liegen. In gewisser Weise ist es erstaunlich, dass vielen Menschen das so gewohnte Sitzen so schwer fällt und Mühe bereitet. Ebenso kann es mit dem Stehen und Gehen und selbst mit dem Liegen sein. In der Alexander-Technik erlernen wir einen neuen Blick auf uns selbst in solch alltäglichen Körperhaltungen und Bewegungen. Sie werden vielleicht erstaunt sein, wie mühelos aufrechtes Sitzen oder Stehen schon nach kurzer Zeit sein kann. Der Schlüssel hierzu besteht darin, dass Sie sich der Vorstellungen, die Sie über das Stehen oder Sitzen haben, bewusst werden, beobachten, was Sie eigentlich tun und durch das Ablegen von ungünstigen Gewohnheiten die natürlichen Aufrichte- und Ausgleichskräfte in Ihrem Körper wieder aktivieren lernen. Da es dabei meistens nicht darum geht, mehr Muskelkraft aufzuwenden, sondern zumeist weniger, jedoch angemessen über den ganzen Körper verteilt, erleben die meisten Menschen die Wiederentdeckung ihrer natürlichen Koordinationsfähigkeit als einen Gewinn an Leichtigkeit und Wohlbefinden.

... und viele andere Tätigkeiten

Wenn Sie die Alexander-Technik erlernen, kommt Ihnen das auch bei vielen anderen Tätigkeiten und Aufgaben zugute: beim Bücken, Putzen, Schrauben, Ziehen, Heben, Tragen, Greifen und so weiter. Auch bei diesen Aktivitäten strengen wir uns oft zu viel an, fixieren uns zu sehr auf das Ziel und bringen uns aus der Balance.

Mit der Alexander-Technik lernen wir, die für die Fehlkoordination ursächlichen falschen Vorstellungen, Ideen und Ansichten zu erkennen und zu verändern. Wir lernen, bei unseren Tätigkeiten präsent, innerlich ausgeglichen und körperlich koordiniert zu bleiben, unsere Bewegungsmöglichkeiten zu erweitern und unsere praktische Intelligenz zu entfalten. Wir lösen uns aus starren Haltungen, unser Körper wird elastischer und zugleich kraftvoller, Bewegungen werden ökonomischer und leichter. Wir lernen, uns flexibler auf neue Situationen einzustellen und kreative Lösungen zu finden. Werden Sie zum Meister Ihres ganz alltäglichen Tuns!

Beispiel: Essenszubereitung in der Küche

Die Zubereitung von Mahlzeiten ist ein Beispiel einer alltäglichen Tätigkeit. Diese können wir entweder einseitig stehend, leicht verkrampft, nach vorne gebeugt, hektisch und ungeduldig ausüben. Oder wir können auch bei einer solch alltäglichen Tätigkeit präsent bleiben, wach für uns selbst und für das, was wir tun, eine angenehme Balance und einen angemessenen Muskeltonus finden und uns dabei unserem Ziel, einem wohlschmeckenden Essen, gelassen und ruhig nähern. Die Anwendung von Selbstbeobachten, Innehalten und gedanklicher Selbstorientierung, die wir in der Alexander-Technik lernen, ist dabei eine entscheidende Unterstützung.

Foto: Frau schneidet Karotte eher verkrampftFoto: Lehrerin unterstützt Schülerin bei der KüchenarbeitFoto: Wohlkoordinierte Frau schneidet Karotte

Neue Möglichkeiten beim Lernen

Der bewusste und konstruktive Selbstgebrauch, den wir in der Alexander-Technik erlernen, kommt auch all denjenigen zugute, die dabei sind, sich neues Wissen anzueignen und neue Fertigkeiten zu lernen. Dies können Schüler sein, Auszubildende, Studenten, Erwachsene oder Lernende im dritten Lebensalter. Etwas Neues zu lernen, setzt uns meistens unter Spannung, fordert unsere Konzentration, verlockt uns vielleicht zu Ablenkungen und lässt uns schnell Müdigkeit verspüren. Die Alexander-Technik fördert das Verständnis und die Fähigkeit, Reize konstruktiver zu verarbeiten, Überforderung abzubauen und Stressreaktionen zu vermeiden. Wenn wir uns dem Neuen und Ungewohnten mit Innehalten und gedanklichen Selbstanweisungen zuwenden, kann uns das sehr dabei unterstützen, nicht in die üblichen Lernfallen zu tappen. Vielmehr können wir beim Lernen unser volles Potenzial zur Integration und Verarbeitung von neuen Fertigkeiten und neuem Wissen ausschöpfen. Statt Routine-Denken lernen wir die Qualität überlegter, geistesgegenwärtiger Tätigkeit kennen.

Persönlich wachsen

Menschen, die über längere Zeit die Alexander-Technik praktizieren, berichten von bedeutsamen Schritten in ihrer persönlichen Entwicklung, die sich in Veränderungen unterschiedlicher Art zeigen, zum Beispiel: größere Klarheit in den eigenen Bestrebungen und Entscheidungen, bewussterer Umgang mit Denken und Fühlen, ein realitätstüchtigeres Selbstbild, größere Toleranz im Umgang mit Fehlern und Schwächen bei sich selbst oder bei anderen Menschen, Aufgeben von Abhängigkeiten und Zunahme von Selbstbestimmtheit, umfassendere Selbstverantwortung, größere Offenheit für Neues und Unvertrautes.