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Wie erlernen wir die Alexander-Technik?

Von einfachen zu komplexen Bewegungen und Tätigkeiten

Die Alexander-Technik wird zumeist an einfachen alltäglichen Bewegungen und Tätigkeiten wie Hinsetzen, Aufstehen, Stehen, Gehen oder Liegen gelernt. Nach einigen Unterrichtsstunden können Bücken, Greifen, Heben und viele sonstige Bewegungen und Tätigkeiten des alltäglichen Lebens dazu kommen. Schließlich wird die Alexander-Technik je nach Wunsch angewendet auf komplexere Aktivitäten, die die Schülerin oder den Schüler besonders interessieren. Das kann sowohl das Arbeiten am Computer, das Spielen eines Musikinstrumentes, Laufen, Radfahren oder Reiten sein (siehe hierzu weitere Beispiele unter Anwendungsgebiete).

Innehalten und die Befreiung von hinderlichen Gewohnheiten und Vorstellungen

Im Zuge des Lernens bemerken die Schülerinnen (bzw. Schüler) ungünstige Gewohnheiten, die sie in ihren Bewegungen und Tätigkeiten behindern und die häufig dazu führen, dass viel zu viel Kraft aufgewendet wird, der Körper aus der Balance gerät und die unterschiedlichsten Beschwerden entstehen. Gleichzeitig entwickeln die Schülerinnen eine zuverlässigere Sensibilität für veränderte Bewegungsweisen und deren Auswirkungen. Im Unterricht wird auch erkundet, inwieweit sich die Schülerinnen von vorgefassten und evtl. hinderlichen Ideen darüber leiten lassen, wie etwas getan werden sollte. Solche zumeist unbewussten Vorstellungen und Überzeugungen stellen häufig den Kern und die Ursache ungünstiger Gewohnheiten dar.

Neben der Selbstbeobachtung und Selbstwahrnehmung lernen die Schülerinnen, auf Reize nicht unmittelbar zu reagieren und auch ganz bewusst eine einmal als ungünstig erkannte Bewegungsgewohnheit zu unterlassen. Diese Fähigkeit wurde von F. M. Alexander "inhibition" genannt (im Deutschen Innehalten oder Stoppen). Sie ist eine Schlüsselfähigkeit, um einen Umgang mit sich selbst und dem eigenen Körper zu entwickeln, der unseren natürlichen Anlagen entspricht.

Eine neue gedankliche Selbstorientierung

Schließlich wird im Unterricht auch die Fähigkeit eingeübt, sich selbst gedanklich neu zu orientieren ("auszurichten"). Beispielsweise durch die Vorstellung, den Hals frei zu lassen, sodass sich der Kopf nach vorne und oben orientieren kann, die ganze Wirbelsäule lang und der Brustkorb weit werden können. Diese neue Art zu denken wird sowohl vor der Ausführung einer Bewegung oder Tätigkeit als auch während ihres Ablaufs geschult und ausgebildet. Es ist diese Fähigkeit, die es den Schülerinnen ermöglicht, einen natürlich koordinierten Bewegungsfluss zu erreichen.

Was geschieht im Einzelunterricht?

Foto: Mann mit Handy vor UnterrichtFoto: Mann mit Handy während UnterrichtFoto: Mann mit Handy nach Unterricht

Den Einzelunterricht kann man sich vorstellen als eine praktische Erkundung, begleitet von Gesprächen zwischen Lehrerin (bzw. Lehrer) und Schülerin (bzw. Schüler), wobei Beobachtungen und evtl. Schwierigkeiten der Schülerin besprochen werden, die Lehrerin ihre eigenen Beobachtungen einbringt und die Schülerin auch mit ihren Händen dabei unterstützt, sich selbst in den gewählten Bewegungen und Tätigkeiten neu zu steuern und zu erfahren. Lehrerinnen und Lehrer der F. M. Alexander-Technik sind darin ausgebildet, feinste Spannungsmuster bei ihren Schülern mit ihren Händen zu bemerken und sie auch in geführten Bewegungen beispielhaft erfahren zu lassen, wie eine fließende Bewegung mit wenig Aufwand entstehen kann.

Weiteres zum Einzelunterricht

Der Unterricht ist ganz individuell abgestimmt. Er folgt nicht einem bestimmten Schema und es werden auch nicht bestimmte Bewegungsfolgen eingeübt. Unterrichtsstunden dauern üblicherweise zwischen 30 und 60 Minuten, empfohlen wird bequeme Alltagskleidung. Um einen gewissen Erfahrungsvorrat aufzubauen, werden mindestens 10 Unterrichtsstunden empfohlen. Ein wirklich selbständiges Praktizieren der Alexander-Technik kann je nach individuellen Voraussetzungen 30 und mehr Unterrichtsstunden erfordern. Zusätzlich zum Unterricht kann es hilfreich sein, ein oder mehrere geeignete Bücher zur Alexander-Technik zu lesen (siehe Literatur und Filme).

Lernen in der Gruppe

Viele Alexander-Technik-Lehrerinnen und -Lehrer bieten auch Gruppenveranstaltungen an, zum Beispiel Einführungsabende oder mehrwöchige Abendkurse, Wochenend-Seminare oder Ferienkurse, in denen die Alexander-Technik kennengelernt oder vertieft werden kann. Es werden auch Kurse zu speziellen Anwendungsmöglichkeiten der Alexander-Technik, zum Beispiel beim Singen, Tanzen, Wandern, Radfahren oder Reiten angeboten. Siehe hierzu den Veranstaltungskalender unter dem Menüpunkt Aktuelles / Termine.